Familie und Angehörige: Wie sensibilisiere ich mich?

Was bedeutet Trans-Sein?

Wissen schafft Verständnis

Häufig äußern Angehörige von trans Menschen ein verzerrtes Bild vom Thema Trans. So kursieren viele falsche Ansichten. Wer hingegen Bescheid weiß, erkennt die Verzerrungen und kann sie als solche benennen. Somit ergibt sich eine neue Perspektive, aus der Verständnis füreinander wachsen kann.

Trans als Oberbegriff

Eine Person ist trans, wenn sie sich als trans versteht. Häufig fühlen sich trans Personen nicht oder nicht nur dem Geschlecht zugehörig, das in ihrer Geburtsurkunde steht. Für viele fühlen sich körperliche Geschlechtsmerkmale unpassend zur eigenen Geschlechtsidentität an. Einige erleben sich eindeutig als Mann oder Frau. Einige fühlen sich auch zwischen den Geschlechtern oder können sich keinem Geschlecht zuordnen. Trans Menschen gab es zu jeder Zeit in der Geschichte. Sie sind kein Phänomen der Neuzeit. Trans dient als Oberbegriff. Manche nutzen ausnahmslos Trans als Begriff, andere unterteilen weiter, beispielsweise mit den Begriffen transgender, transident, transgeschlechtlich oder non-binär. Wir empfehlen Ihnen unseren Text zur Frage Was ist Trans?, wenn sie noch mehr allgemeine Information nachlesen möchten.

Was bedeutet Trans-Sein nicht?

Wir möchten mit Vorurteilen aufräumen. Häufig verwechseln Personen Begriffe oder setzen sie gleich. Damit ist niemandem geholfen. Umso besser ist es, wenn Sie verschiedene Begriffe kennenlernen und künftig besser einordnen können.

Trans meint nicht Crossdressing

Trans ist nicht Crossdressing. Crossdresser überschreiten Geschlechterrollen, indem sie sich so kleiden, dass sie in einer Geschlechtlichkeit wahrgenommen werden, die sie für gewöhnlich nicht verkörpern. In der Regel leben sie aber in dem Geschlecht, das ihnen bei Geburt zugewiesen wurde. Trotzdem steht auch trans Menschen Crossdressing offen und kann eine wertvolle Erfahrung für sie sein.

Trans meint nicht Intergeschlechtlichkeit

Auch ist trans nicht dasselbe wie intergeschlechtlich. Letzteres meint, dass ein Mensch körperlich mit mehrdeutigen „weiblichen“ und „männlichen“ Geschlechtsmerkmalen auf die Welt gekommen ist. Oder man nennt sie individuelle, eigene Geschlechtsmerkmale. Erfahren Sie mehr zum Thema Intergeschlechtlichkeit.

Trans meint nicht sexuelle Orientierung

Darüber hinaus spielt die Geschlechtsidentität für die sexuelle Orientierung einer Person keine Rolle. Wie jede_r andere auch können trans Menschen beispielsweise lesbisch, schwul, bi-, pan- oder heterosexuell sein.

Wie finde ich selbst Unterstützung und Beratung zu meinen Fragen?

Sorgen ansprechen

Es ist wichtig, dass Sie Ihre Sorgen nicht für sich behalten, wenn Sie Verwandte oder Partner_innen auf ihrer Transition begleiten wollen. Vielleicht sind Sie auch irritiert, verunsichert oder sprachlos. Nun ist aber allen geholfen, wenn Sie sich mitteilen. So lässt sich vieles von vornherein klären. Möglicherweise wünschen Sie sich aber noch zusätzlich Hilfe von außen.

Unterstützung suchen

Wenn Sie selbst Unterstützung und Beratung suchen, können Sie sich an verschiedene Fachstellen wenden. Es gibt Angehörigentreffen und Stammtische in den meisten lokalen queeren Projekten. Auch empfiehlt sich gegebenenfalls der Besuch einer Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit. Fachliche und rechtliche Beratungsangebote sind häufig kostenlos. Schauen Sie doch mal, was es in Ihrer Nähe gibt. Unsere Zusammenstellung von Ansprechpersonen vor Ort ist vielleicht ein erster Start für Sie.

Wie gehe ich damit um, wenn ein Familienmitglied oder ein_e Partner_in trans ist?

Vielen trans Menschen fällt es schwer, wenn sie ihrer Familie oder ihren Partner_innen von ihrem Trans-Sein erzählen. Davor haben einige große Angst. Häufig warten trans Menschen lange damit, dass sie mit ihren Familien und Partner_innen über ihr Trans-Sein sprechen. Dann kann es sehr erlösend sein, wenn Sie ihnen ein offenes Ohr schenken. Einfühlsames Zuhören schafft Vertrauen und Geborgenheit zueinander. So geben Sie Rückhalt für alle weiteren Schritte. Immerhin gibt es einige Hürden, die trans Menschen überwinden müssen. Das sind so Dinge wie: Bekomme ich die Kosten für meine Behandlungen von der Krankenkasse erstattet? Wie oute ich mich auf der Arbeit oder bei Freund_innen? In diesen Momenten kann die Gewissheit, nicht allein zu sein, einen wertvollen Halt bieten.

Wie schaffe ich ein gutes Verhältnis zwischen uns?

Geschlechtsidentität ist ein komplexer Bereich des menschlichen Seins, dessen Entwicklung nicht vollständig verstanden ist. Wenn Sie das erste Mal mit dem Thema Trans zu tun haben, bemerken Sie eventuell einige Vorbehalte bei sich selbst. Hier spielt eine Rolle, was Sie selbst für ein Bild von Geschlechtlichkeit haben (oder bisher hatten). Maßgebend ist aber auch, dass die gesellschaftliche Aufklärung zu Trans-Themen nach wie vor unzureichend ist. So geistern Zerrbilder und Unwahrheiten in den Köpfen vieler Menschen herum. Den größten und wichtigsten Schritt können Sie gehen, indem Sie versuchen, Ihr Familienmitglied bzw. Ihre_n Partner_in so zu akzeptieren, wie sie_er sich Ihnen zeigt. Akzeptieren bedeutet Annehmen. Und Annehmen heißt auch, die Person mit ihrem gewählten Vornamen und Pronomen anzusprechen. So setzen Sie ein Zeichen. So schätzen Sie Ihr Familienmitglied bzw. Ihre_n Partner_in wert. Das ermöglicht, dass Sie einander gegenseitig respektieren. Wichtig ist einfach, dass Sie offen für das Thema Trans sind, sich informieren und die trans Person(en) in Ihrem Leben ernst nehmen. So haben Sie guten Chancen, Ihre Beziehung zueinander nicht zu verlieren.

Wie nehme ich Trans-Sein in einer Partnerschaft auf?

Einige trans Menschen wissen früh, dass sie trans sind. Andere merken das erst allmählich und es wird Ihnen nach Jahren bewusst. Besonders wenn sich Ihr_e Partner_in als trans outet, kann das sehr irritierend sein. Grundsätzlich bedeutet das Outing nicht das Ende der Partnerschaft. Daher suchen Sie bitte das Gespräch. Stellen Sie Fragen, wenn Ihnen etwas unklar ist. Hören Sie zu und versuchen Sie offen über Ihre Unsicherheiten und Ängste zu sprechen. Eine externe Beratung und Begleitung, beispielsweise durch Ansprechpersonen vor Ort, kann hierbei eine große Hilfe sein.

Wieso gehören sich Fremd-Outings nicht?

Identität ist ein sehr persönliches Thema und das gilt natürlich auch für eine Trans-Identität. Sie und auch Ihr Familienmitglied bzw. Ihr_e Partner_in haben eine Privatsphäre. Sie müssen sich niemandem gegenüber rechtfertigen oder jemanden als trans vorstellen. Über ein Coming-out sollte immer die betreffende Person selbst entscheiden, niemals ein anderer Mensch.